258 Führerscheine in vier Stunden vergeigt

13
44611

Friedberg (ots) – Es waren über 700 – über 700, die in gerade einmal vier Stunden eine Geschwindigkeitsmessstelle an der Autobahn 45 passierten und viel zu schnell waren. Es werden 258 davon sein, die demnächst erst einmal zu Fuß gehen. Und dass, wo die letzte Kontrolle noch keine zwei Wochen her ist und wir direkt „versprachen“: Wir kommen wieder! Eigentlich fällt uns zu diesen Zahlen nichts mehr ein, denn sie sind erschreckend und machen irgendwie auch betroffen. Ist es so schwer sich an Geschwindigkeitsbeschränkungen zu halten? Ist es so schwer zu verstehen, dass hier nicht das eigene schnelle Fortkommen im Vordergrund steht, sondern die Sicherheit von uns allen und von denen, die dort auf der Bahn für unsere Sicherheit im Einsatz sind? 

Für alle, die unseren letzten Artikel nicht kennen, kurz die Erklärung worum es hier eigentlich geht: 

Unsere KollegInnen vom Bundesamt für Güterverkehr (BAG) kontrollieren regelmäßig den Schwerverkehr auf der Autobahn. Auch den Parkplatz Stauferburg an der Autobahn 45 in der Wetterau nutzen sie dazu. Damit sie die „schweren Jungs“ einigermaßen sicher aus dem Verkehr ziehen können, wird die Geschwindigkeit an dieser Stelle durch einen sogenannten Geschwindigkeitstrichter erst auf 100, dann auf 80 und schließlich auf 60 km/h heruntergesetzt. Das gilt für alle Verkehrsteilnehmer. Leider müssen die Kontrolleure vom BAG immer wieder feststellen, dass sich Viele nicht an die Geschwindigkeiten halten. Daher kontrolliert die Polizei und das mit erschreckenden Ergebnissen. 

Noch keine zwei Wochen ist es her, dass in nur drei Stunden über 500 Verkehrsteilnehmer die Kontrollstelle so schnell passierten, dass sie ein Bußgeld erwartet. Über 180 davon müssen mit einem zum Teil mehrmonatigen Fahrverbot rechnen. Wir fragten uns, warum die Schilder ignoriert werden und warben nach der letzten Kontrolle zum wiederholten Male um Rücksicht – für alle die auf der Autobahn unterwegs sind. 

Nun, am gestrigen Montag (06. November), eine erneute Kontrolle des BAG, eine erneute Geschwindigkeitsmessung und erneut eine traurige Bilanz. Zwischen 08.20 und 12.20 Uhr haben die Kollegen von der Autobahnpolizei Mittelhessen die Einhaltung der erlaubten 60 km/h am Parkplatz Stauferburg kontrolliert. In den vier Stunden waren es dieses Mal über 700 Verkehrsteilnehmer, die deutlich zu schnell fuhren, nämlich mehr als 81km/h. Davon wiederum hatten es 285 so eilig, dass sie noch nicht mal mehr mit einem Bußgeld davonkommen, sondern ein Fahrverbot bekommen werden, von den Punkten in Flensburg ganz zu schweigen. 

Als trauriger Spitzenreiter taten sich Autofahrer aus dem Kreis Hanau und Schweinfurth hervor, die mit einer Geschwindigkeit von 161 km/h an dem Kontrolleur des BAG an der Autobahn vorbeirasten. Da wir uns die erheblichen Verstöße weder erklären, noch sie akzeptieren können, werden selbstverständlich weitere Kontrollen folgen. 

Aber wir möchten an dieser Stelle auch noch eine kleine Runde „Schilderkunde“ einschieben, weil es ja vielleicht wirklich den ein oder anderen unter den „Zu-Schnell-Fahrern“ gibt, der die Verkehrszeichen an der Kontrollstelle nicht richtig versteht. Auf dem Verkehrsschild dort befindet sich zunächst ganz oben die Reduzierung auf die Höchstgeschwindigkeit 60 km/h. Darunter befindet sich ein Überholverbot für LKW, welches durch zwei Zusatzzeichen (2,8t & auch Busse / Gespanne) ergänzt ist. Das Überholverbot gilt also für Fahrzeuge über 2,8 Tonnen, Busse und Gespanne. Die Zusatzzeichen beziehen sich immer nur (!) auf das direkt darüber befindliche Verkehrszeichen – also wirklich nur (!) auf das Überholverbot und nicht auch auf die Geschwindigkeitsbeschränkung. Die Höchstgeschwindigkeit gilt für alle (!) Verkehrsteilnehmer.

Quelle: Medienbericht PP Mittelhessen – Friedberg

13 KOMMENTARE

  1. Ein kleiner Trost im Schilderwald für die geblitzten: Genaugenommen ist die Anordnung der Schilder nicht rechtskräftig denn es sind mehr als drei Verkehrszeichen.

    Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrs-Ordnung (VwV-StVO)
    Zu den §§ 39 bis 43 Allgemeines über Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen
    35 a) Am gleichen Pfosten oder sonst unmittelbar über oder nebeneinander dürfen nicht mehr als drei Verkehrszeichen angebracht werden;
    bei Verkehrszeichen für den ruhenden Verkehr kann bei besonderem Bedarf abgewichen werden.

    Straßenverkehrs-Ordnung (StVO)
    § 39 (Verkehrszeichen)
    (3) 1 Auch Zusatzzeichen sind Verkehrszeichen.

      • tbeer hat schon richtig ausgeführt: Zusatzzeichen sind Verkehrszeichen im Sinne der StVO.
        Zudem von mir noch der Hinweis:
        Die Schilder müssen so angebracht sein, das sie den Verkehrsteilnehmer nicht verwirren, da sie das anscheinend machen, ist es schon nicht zulässig. Genau heisst es:
        ….. das der Verkehrsteilnehmer bei der dort gefahrenen Geschwindigkeit Gelegenheit hat, die Bedeutung der Verkehrszeichen nacheinander zu erfassen.

        In diesem Fall kaum möglich !!!

  2. Selbstverständlich muss man sich an Regeln halten. Aber in diesem Fall geht es eindeutig zu weit: Im Kleingedruckten steht nämlich, dass der Hinweis „2,8 t“ sich nur auf das Überholverbot, nicht aber auf das Tempo 60 Schild bezieht. Intuitiv ist das nicht, sondern willkürlich. Sollen Autofahrer hellsehen?
    Auch wenn es gut gemeint war, aber so geht es nicht!!! Und dann wundert sich die Polizei, wenn sie nicht mehr als Helfer gesehen wird. Es ist doch nicht zu viel verlangt, wenn man erst nachdenkt und dann intuitiv verständliche Schilder aufstellt, um nicht mit Absicht Bürger reinzureißen und als Abzocker zu gelten. In anderen Jobs erwartet man das von Mitarbeitern schließlich auch. Man stelle sich mal vor, ein Feuerlöscher wäre nicht intuitiv bedienbar. Im Sicherheitsbereich käme ein solcher Konstrukteur in den Knast.

  3. Selbstverständlich muss man sich an Regeln halten. Aber in diesem Fall geht es eindeutig zu weit: Im Kleingedruckten steht nämlich, dass der Hinweis „2,8 t“ sich nur auf das Überholverbot, nicht aber auf das Tempo 60 Schild bezieht. Intuitiv ist das nicht, sondern willkürlich. Sollen Autofahrer hellsehen?
    Auch wenn es gut gemeint war, aber so geht es nicht!!! Und dann wundert sich die Polizei, wenn sie nicht mehr als Helfer gesehen wird. Es ist doch nicht zu viel verlangt, wenn man erst nachdenkt und dann intuitiv verständliche Schilder aufstellt, um nicht mit Absicht Bürger reinzureißen und als Abzocker zu gelten. In anderen Jobs erwartet man das von Mitarbeitern schließlich auch. Man stelle sich mal vor, ein Feuerlöscher wäre nicht intuitiv bedienbar. Im Sicherheitsbereich käme ein solcher Konstrukteur in große Schwierigkeiten.

  4. Tja Matthias,
    Hättes du mal in der Fahrschule aufgepasst und wärst nicht nur ständig auf die Toilette gerannt, wüßtes du, das das Zusatzzeichen immer nur für das direkt darüber angebrachte Verkehrszeichen gilt.
    Warum ich so schön dir antworte, fragst du dich?
    Am Ende dieses wirklich guten Geschwindigkeitstrichters steht ein MENSCH!!!!!, der macht da seinen Job! Der möchte Abends heil nach Hause kommen!
    Wir haben leider nicht genug Buntstifte um jedem Dappes alle aufzumalen. Ganz am Anfang steht zb Verkehrskontrolle, da sollte man schonmal grundsätzlich langsam machen.

  5. Klar habt ihr Recht, aber ganz ehrlich, man liest 60 und nimmt darunter das Lkw Überholverbot wahr und diese Bildchen auf denen es nicht um Pkw geht. Ich kann verstehen dass da mancher sich nicht angesprochen fühlt. Nachdem ihr gemerkt habt, dass viele Pkw Fahrer damit überfordert sind, wäre es doch mal einen Versuch Wert 50 mtr hinter diesem Schild einfach mal nur ein Tempo 60 Schild aufzustellen. Mal sehen wie dann die Bilanz aussieht. Man möchte ja dass die Geschwindigkeitsbegrenzung eingehalten wird und dafür sollte ausser blitzen auch evtl mal überdacht werden wie man es deutlicher machen kann. Gerade damit niemand etwas passiert ! Auf der a66 sind die Tempo 80 Schilder getrennt von den Lkw Überholverbot Schilder aufgestellt. Ich fahre da täglich und bis auf wenige Ausreißer fahren alle ans Limit angepasst.

  6. So ist das auf den Straßen. Ich bin sicherlich kein Schleicher und fahre dort Vollgas, wo es erlaubt ist. Aber innerorts, auf Landstraßen und in Baustellen versuche ich mich meist an die Begrenzung zu halten.
    In den Tempo 60er Zonen wird man aber bereits bei einer Geschwindigkeit von 65km/h von den Hintermännern zusammengeblinkt und gehupt. Hier hält sich kaum jemand an die Begrenzung. Das Ergebnis wundert mich nicht.
    Weiter so! Von mir aus könnt ihr blitzen bis die Straßen leer sind. Jeder ist für sein Tempo verantwortlich. Kommen autarke Fahrzeuge ist es mit der Geschwindigkeitsüberschreitung dann auch endlich vorbei und jeder kommt hoffentlich sicher an.

  7. Was kann die Polizei dafür wenn du keine Schilder lesen kannst? Es wird im obigen Text sogar nochmals erklärt und verstehst es immer noch nicht! Eigentlich solltest dein Lappen gleich mit abgeben!

  8. Wundert mich nicht….denn den Leuten ist es auch egal ob es durchgezogenen Linien gibt oder nicht….bald werden Sie in der Fahrschule die neuen Wanderlieder kennen lernen :p

  9. Also irgendwie versteh ich die Leute nicht die das 60’er Schild mit dem Verbot zum überholen (über 2.8t) in Verbindung bringen…
    Oben steht die Geschwindigkeit die gefahren werden darf dann darunter das eben Fahrzeuge mit einer höheren Gesamtmasse als 2.8t nicht überholen dürfen..
    Warum ist das nicht verständlich?
    Die Geschwindigkeitsbegrenzung gilt egal für welche Gesamtmasse für alle gleich.
    Und ob da jetzt 3 oder 4 Schilder zu sehen sind dient doch nur um sich rauszureden.
    Es sind 2 Verkehrszeichen die eine klare Aussage treffen und zum Überholverbot 2 weitere um die Wertigkeit des Überholverbotes zu deklarieren.
    Da gibt’s nix zu rütteln.
    Im Grunde genommen wäre es sinnvoll solche Leute, die das nicht wissen oder akzeptieren wollen, einfach mal bis zum erfolgreichen absolvieren einer MPU Fußgänger sein zu lassen.

Kommentar verfassen