Die Polizei Mittelhessen hat die Verkehrsunfallzahlen aus dem Landkreis Gießen für das Jahr 2016 vorgestellt

Veröffentlicht am 04.Apr.2017 um 12:04 Uhr | Zuletzt geändert am: 07.Jul.2019 um 19:21 Uhr

Symbolfoto; © pattilabelle/Fotolia.com



Gesamtzahl der Unfälle leicht angestiegen
Starker Rückgang bei den Unfalltoten
Etwa 15,3 Millionen Euro Sachschaden
Mehr Unfallfluchten / Sehr hohe Aufklärungsquote

Landkreis Gießen – Mit 5.495 Verkehrsunfällen im Landkreis Gießen wurde im Jahr
2016 ein leichter Anstieg (+ 82) im Vergleich zum Vorjahr registriert. Dies ist der
höchste Wert der letzten elf Jahre. Auch die Zahl der Verkehrsunfälle mit verletzten
Personen stieg ebenfalls minimal auf 896 (+2), die Zahl der dabei verletzten
Personen stieg auf 1.291 Personen (+8 Personen). Sehr erfreulich ist, dass es im
vergangenen Jahr nur einen Verkehrstoten im Landkreis gab. Im Jahr zuvor waren
es noch 21 Personen, die bei Unfällen ums Leben kamen.

Als Hauptunfallursachen spielten im Landkreis Gießen Wenden und
Rückwärtsfahren, ungenügender Sicherheitsabstand und nichtbeachten der Vorfahrt
eine entscheidende Rolle. Auf den Plätzen folgen Unfälle durch nicht angepasste
Geschwindigkeit.

Im Bereich des Landkreises Gießen befinden sich gemäß Angaben des Hessischen
Statistischen Landesamtes Wiesbaden 747 Kilometer Straßen, die im Hinblick auf
das Verkehrsunfallgeschehen beleuchtet werden. Darin enthalten sind 108 km
Bundesstraßen, 377 km Landesstraßen und 188 km Kreisstraßen. Die fehlenden 74
Kilometer sind Bundesautobahnen, die hier nicht betrachtet werden.
In den statistischen Meldungen des Kraftfahrbundesamtes werden für das Jahr 2016
die nachfolgenden, im Landkreis Gießen zugelassenen Fahrzeuge gemeldet:

Ø PKW: 144.135
Ø LKW: 8.466
Ø Krafträder: 12.832
Ø Kraftomnibusse: 466
Ø sonstige zulassungspflichtige Fahrzeuge: 851.

Unfallflucht: Sehr hohe Aufklärungsquote
Im Jahr 2016 ereigneten sich 1540 Verkehrsunfallfluchten im Landkreis Gießen. Dies
entspricht einem Anstieg um 39 Unfälle. Gegenüber 2015 kam es zu einer Zunahme
von 39 Unfällen, bei denen ein Beteiligter geflüchtet ist. Die Aufklärungsquote liegt
bei sehr guten 43 Prozent, in denen der flüchtige Unfallfahrer ermittelt wurde.
Der Gesamtsachschaden aller Unfälle im Landkreis Gießen wird im Jahr 2016 auf
15,3 Millionen Euro geschätzt.

Neben den zahlreichen Kontrolltätigkeiten lobt der Leiter der Polizeidirektion Gießen,
Polizeidirektor Siegfried Schulz, in diesem Zusammenhang die gewissenhafte und
gute Arbeit der Beamtinnen und Beamten bei der polizeilichen
Verkehrsunfallaufnahme.

Unfälle mit jungen Fahrern (18-24 Jahre) unter Einfluss von Alkohol weiterhin
auf niedrigem Stand

Auffällig sind immer wieder die jungen Fahrer / Fahranfänger im Alter von 18 – 24
Jahren. Es ereigneten sich 1340 Verkehrsunfälle mit Beteiligung einer Fahrerin- bzw.
Fahrers aus dieser Altersstruktur, bei 886 Unfällen waren die Fahrer Verursacher
des Unfalls.

Besonders erfreulich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, dass die Zahl der
Unfälle, bei denen junge Fahrerinnen und Fahrer im Alter von 18 bis 24 Jahren mit
Alkohol am Steuer verunfallten, weiterhin auf einem niedrigen Stand bleibt. Lediglich
bei 20 Unfällen war in dieser Altersklasse Alkohol im Spiel. Dies wertet die Polizei
als ein deutliches Signal dafür, die Aktion Verkehrssicher-in-Mittelhessen sowie die
Aktion BOB weiter fortzuführen.

Auch im Jahr 2017 werden gezielte Kontrollmaßnahmen im Hinblick auf Alkohol- und
Drogenkonsum durchgeführt werden. Die Fortführung der engen Zusammenarbeit
aller Polizeidienststellen erhöht dabei die Effektivität und Nachhaltigkeit der
durchgeführten Maßnahmen.

Auffällige Unfallbereiche im Landkreis Gießen bleiben die Bundesstraßen 276
und 457

Auch die Bundesstraße 276 beschäftigte die Polizei im Jahr 2016, insbesondere mit
Motorradunfällen. Auf der bei Bikern beliebten Strecke ereigneten sich 15
Verkehrsunfälle mit 18 verletzten Personen aus dem Bereich der motorisierten
Zweiräder. Zeitpunkt der Unfälle ist überwiegend die Zeit von Freitag bis Sonntag.

Die Bundesstraße 457 ist nach wie vor ein unfallträchtiger Bereich im Landkreis
Gießen. Vom Stadtgebiet Gießen bis zur Kreisgrenze des Landkreises Gießen
beträgt die Länge der Bundesstraße 25, 5 Kilometer.
In diesem Bereich kam es im Jahr 2016 zu 177 Unfällen (davon 60 Wildunfälle).
Hierbei waren 19 Schwerverletzte und 71 leicht verletzte Personen zu verzeichnen.
Als Hauptursache sind Unfälle im Längsverkehr (51) vor Fahrunfällen (19).
Als weitere Unfalltypen folgen Abbiegeunfälle (19) und Unfälle beim
Einbiegen/Kreuzen (17). Dieser Bereich wird weiterhin im Focus der Polizei stehen,
„Enforcement“ (Verkehrsüberwachung) und „Engeneering“ (sichere Gestaltung des
Verkehrsraumes) werden weitergeschrieben, um eine Unfallreduzierung auf der B
457 zu gewährleisten.

Problemfeld Ablenkung, insbesondere durch Mobiltelefon
Wer hat es nicht schon selbst erlebt, immer wieder sind Fahrzeugführerinnen und
Fahrzeugführer im Straßenverkehr zu beobachten, die ihr Handy während der Fahrt
benutzen.
Das Telefonieren während der Fahrt stellt ein hohes Sicherheitsrisiko dar.
Die geistige Abgelenktheit während eines Telefonats ist vergleichbar mit der
Fahrt unter Alkoholeinwirkung. Neben dem Gespräch im Fernsprechnetz gehören
zum Verbot sämtliche Bedienungsfunktionen wie:

Ø das Anwählen
Ø die Versendung von Kurznachrichten
Ø oder das Abrufen von Daten im Internet etc.,

soweit dies unter Aufnahme oder Halten des Hörers erfolgt. Untersagt ist damit auch,
das Handy oder den Hörer des Autotelefons zwischen Kopf und Schulter
einzuklemmen, weil dazu das Gerät erst aufgenommen werden muss.
Ein solcher Verstoß wird seit dem 01.05.2014 mit einem Bußgeld in Höhe von 60,-
Euro und mit dem Eintrag eines Punktes in der Verkehrssünderkartei in Flensburg
geahndet.

Problemfeld schwächere Verkehrsteilnehmer, hier Fahrradfahrer
Im Landkreis Gießen ereigneten sich im vergangenen Jahr 199 Unfälle mit
Beteiligung von Fahrradfahrern. Davon waren in 77 Fällen die Radfahrer als
Verursacher des Unfalls auffällig geworden. Es wurden in 169 Fällen Personen
verletzt, darunter 29 schwer Verletzte. Ein Schwerpunkt ist hierbei der Stadtbereich
von Gießen (130 der 199 Gesamtunfälle ereigneten sich hier), wo sich tagtäglich
viele Fahrradfahrer im Innenstadtverkehr bewegen.

Die Polizei rät zur gegenseitigen Vorsicht und Rücksichtnahme aller
Verkehrsteilnehmer untereinander, Beachtung der geltenden Regeln der
Straßenverkehrsordnung auch durch die Fahrradfahrer, defensiver Fahrweise und zu
ständigem Blickkontakt untereinander um Gefahrensituationen zu erkennen bzw. zu
vermeiden. Dies sollte insbesondere in Kreuzungs- und Einmündungsbereichen
beachtet werden. Radfahrer haben weder Knautschzone noch einen Airbag!

Die Verkehrsstatistik 2016 zeigt, dass neben der Prävention auch die Repression
weiterhin notwendig ist. So werden die Beamtinnen und Beamten der Polizei in
Mittelhessen auch in diesem Jahr zur weiteren Reduzierung der Unfallursachen die
Geschwindigkeitsüberwachung, Abstandskontrollen, Handy- Gurt- sowie Alkoholund
Drogenkontrollen in ihre Maßnahmen einbeziehen.

Der im Jahr 2015 durchgeführte „24- Stunden- Blitzmarathon“ fand auch 2016 eine
Wiederholung. Das Polizeipräsidium Mittelhessen wird sich auch 2017 am
„Speedmarathon“ beteiligen. Öffentlichkeitswirksame Aktionen werden sich gezielt
an die Gruppe der jungen Fahrerinnen –und Fahrer, an die Gruppe der älteren
Verkehrsteilnehmer und an die Fahrradfahrer, also an die Gruppe der sogenannten
„schwächeren Verkehrsteilnehmer“ richten.

Bildquelle:

  • Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht: Symbolfoto; © pattilabelle/Fotolia.com

Zuletzt geändert am: 07.Jul.2019 um 19:21 Uhr






Wir benutzen Cookies um die Nutzerfreundlichkeit der Webseite zu verbessen. Durch Deinen Besuch stimmst Du dem zu.
WP2Social Auto Publish Powered By : XYZScripts.com