Betrüger am Telefon erbeuteten Vermögen – Reihenweise Anrufe falscher Polizeibeamter

Veröffentlicht am 03.Jul.2020 um 17:51 Uhr | Zuletzt geändert am: 03.Jul.2020 um 17:51 Uhr

Information Symbolbild: Blaulicht Gießen



Betrüger am Telefon erbeuteten in Gießen und Marburg ein Vermögen im Wert von mehreren Hunderttausend Euro. Die Polizei bittet nochmals um ganz besondere Vorsicht, wenn es am Telefon ums Geld oder um sonstiges Vermögen geht. „Legen Sie auf! Rufen Sie den vermeintlichen Anrufer zurück! Wählen Sie dabei bewusst neu! Die Polizei fragt am Telefon weder nach persönlichen Daten noch nach Vermögenswerten und sie kommt nicht, um ihre Wertsachen oder ihr Vermögen mit dem Ziel der Sicherung zu holen. Deponieren oder übergeben sie keine Wertsachen!“

Seit Dienstag waren quasi alle Landkreise des Polizeipräsidiums Mittelhessen, also der Lahn-Dill-Kreis, der Kreis Gießen, die Wetterau und der Landkreis Marburg-Biedenkopf betroffen von unzähligen von Anrufen angeblicher, tatsächlich aber falscher Polizeibeamter. Weit mehr als hundert potentielle Opfer meldeten der Polizei diese Anrufe und ermöglichten so eine frühzeitige Reaktion. Die Dunkelziffer, also die unbekannt gebliebenen Anrufe, dürften um ein Vielfaches höher sein. Leider waren die Betrüger trotz der sofortigen Präventionsmaßnahmen der Polizei, wie wiederholte Presseinformationen, Warnmeldungen über Hessen WARN und Twitter, Beiträge auf der Internetseite der Polizei Hessen sowie veranlasste Bankenwarnmeldungen mit ihren Betrugsversuchen in zwei Fällen erfolgreich. In einem dritten Fall kamen dem Opfer gerade noch rechtzeitig Zweifel, sodass es nicht zur Übergabe bzw. Deponierung von den bereits abgeholten mehr als 18.000 Euro kam.

Die überwiegende Zahl der Anrufe lief in der typischen Masche. Der Anrufer nannte seinen Vor- und Zunamen, gab sich als Beamter der Kripo aus und benutzte tatsächlich auch polizeitypische Abkürzungen oder Begriffe wie z. K 7 oder Einsatzleiter. Der Anrufer berichtete von der Festnahme von Einbrechern und einem bei ihnen gefundenen Zettel mit den Daten des potentiellen Opfers und dem Hinweis auf das Vorhandensein von Wertgegenständen. Damit beabsichtigt der Betrüger, sein Opfer zu verängstigen.

„Nur wer hier vorsichtig ist und ein gesundes Maß an Misstrauen walten lässt und dann erstmal auflegt, der reagiert richtig. Die Polizei ruft definitiv niemanden an, um über Festnahmen zu berichten oder um persönliche Lebensumstände zu erfragen oder um sich nach Wertgegenständen und deren Sicherung zu erkundigen. Nur wer die Masche der Betrüger kennt, kann sich davor schützen, Opfer dieser Betrüger zu werden.“

Aus gegebenem Anlass hier nochmal Hinweise der Polizei

  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen!
  • Seien Sie wachsam, misstrauisch und besprechen sich mit einer Vertrauensperson, bevor Sie überhaupt an eine Abhebung von Bargeld oder Überweisung denken oder das daheim gelagerte Geld an Fremde aushändigen!
  • Geben Sie niemals vertrauliche Informationen preis. Behörden und seriöse Unternehmen agieren nicht in dieser Form und fragen niemals am Telefon nach sensiblen Daten.
  • Rufen Sie zurück – Verwenden Sie dabei aber niemals Rufnummern, die man Ihnen mitteilt oder die sie auf dem Display sehen (die könnten gefälscht sein), sondern immer nur
    die selbst herausgesuchten Telefonnummern. Wählen Sie bewusst neu! Benutzen Sie nicht die Rückruftaste!

Wählen Sie die Notrufnummer 110 oder die Festnetznummer der zuständigen Polizei, die Sie im Telefonbuch oder über das Internet ermitteln können.
Hinweise und Tipps zu den Vorgehensweisen und zum Schutz vor Betrügern am Telefon wie z.B. zu den Betrugsphänomenen Anrufe falscher Polizeibeamter, Enkeltrick oder Schockanrufe finden Sie im Internet unter www.polizei-beratung.de oder auf der Präventionsseite unter www.polizei.hessen.de/Prävention

Geben Sie diese Hinweise mit der Bitte um Weiterverbreitung weiter. Informieren Sie Freunde, Bekannte, Verwandte. „Informieren und instruieren Sie potentielle Opfer, meist ältere Menschen, wie sie sich bei einem solchen Anruf verhalten sollen!“

„Übrigens, wer den Opfern hier einen Vorwurf machen will, der liegt falsch. Den Vorwurf muss man den perfiden Betrügern machen – Sie sind die Täter! Die Täter schrecken bei der Opfersuche auch vor akademischen Graden nicht zurück. In der Hoffnung, dass diese Menschen nicht mittellos sind, sondern Vermögen haben, rufen die Täter da oftmals sogar zuerst an. Die Täter sind rhetorisch äußerst geschickt. Sie wissen auf alles eine Antwort. Sie klingen sehr überzeugend und sogar vertrauenswürdig! Alles was sie sagen, erklären sie und machen es plausibel. Wenn dann ein Opfer Anzeichen für eine Reaktion in ihrem Sinn zeigt, lassen sie diesem durch telefonische Dauerbelagerung, keine Zeit mehr zum Luft holen oder Nachdenken. Es sind Fälle bekannt, die sich sogar über mehrere Tage hinzogen.“

Zusatz für Gießen

In Gießen im Wohngebiet zwischen der Nordanlage und Lahn schafften es die Betrüger eine Frau davon zu überzeugen, dass ihre Wertgegenstände im Schließfach nicht mehr sicher seien. Sie überredeten sie, ihr Vermögen abzuholen und an einem Ort zu deponieren, wo es abgeholt werden würde. Tatsächlich holte jemand das hinterlegte Gold, ein Vermögen im Wert von mehreren zehntausend Euro ab. Die ersten Ermittlungen nach dem Betrug ergaben Hinweise auf eine verdächtige Person mit folgender Beschreibung: – ca. 25 bis 30 Jahre alt – zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß – korpulent – dunkle Haare – Bart – heller Hauttyp – helle Kleidung

Wem ist eine Person mit dieser Beschreibung am Donnerstag, 02. Juli, zwischen 14.35 und 14.40 Uhr im Wohngebiet zwischen der Nordanlage und der Lahn (Steinstraße/Gartstraße/Bootshausstraße/Weserstraße/Nordanlage) aufgefallen?

Hinweise dazu bitte an die Kripo in Gießen, Tel. 0641/7006-2555

Zusatz für Marburg

In Marburg agierten ein Herr „Stahl“ von der Kripo Marburg und sein Einsatzleiter „Schubert“. So gab man sich von 21.40 Uhr am Dienstag bis um etwa 12 Uhr am Mittwoch bei dem Opfer in der Potsdamer Straße aus. Die Betrüger waren so überzeugend, dass das Opfer sein Vermögen aus dem Schließfach seines Geldinstituts abholte und anweisungsgemäß hinterlegte. Der Senior büßte letztendlich vermutlich seine gesamten Ersparnisse ein, ein Vermögen im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Die Betrüger waren so dreist, ihr Opfer sogar noch nach der Abschöpfung nochmal anzurufen. Man teilte mit, dass man aufgrund seiner Mitarbeit mit der Polizei die Täter dingfest machen konnte. Die Betrüger kündigten an, morgen vorbei zu kommen, um den Dank auszusprechen und das Vermögen zurückzubringen. Erst als der Besuch ausblieb, ging das Opfer zur Polizei, um selbst bei den vermeintlichen Beamten vorzusprechen. Erst hier erfuhr er von dem Betrug. Der Marburger hatte sein Vermögen wie gefordert im Auto liegen lassen und dieses offen auf dem Anwohnerparkplatz eines Wohnblocks in der Potsdamer Straße abgestellt. Da er keinen Verdacht schöpfte, maß er einem hellen Transporter, eventuell hellblau und ohne sonstige Auffälligkeiten, und einem schlanken, eher jungen Mann zwischen 20 und 35 Jahren in Arbeitskleidung keine weitere Aufmerksamkeit zu. Fahrzeug und Mann standen zur mutmaßlichen Abholzeit am Donnerstag, 02. Juli, zwischen 11.30 und 12 Uhr am Fahrbahnrand der Potsdamer Straße in unmittelbarer Nähe zum Parkplatz und mit Sicht auf den Pkw des Opfers. Die Kripo Marburg fragt:

Wer hat diesen Transporter noch gesehen? Wer kann nähere Angaben zu dem Fahrzeug und/oder zu dem Mann machen?

Sachdienliche Hinweise bitte an die Kripo Marburg, Tel. 06421/406-0.

Dieser Artikel beruht auf einer Pressemitteilung der Polizei Mittelhessen.

Bildquelle:

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